Niederländisch-Indien 1921–1927
Die Ausstellung im Völkerkundemuseum der Universität Zürich zeigt Objekte, Fotografien und Dokumente des Schweizer Geologen Wolfgang Leupold in Niederländisch-Indien 1921–1927.
Im Jahr 2009 wurde dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich eine spannende Kollektion indonesischer Artefakte geschenkt: Die Gegenstände, an die hundert Stück, stammen aus dem Familienbesitz des Schweizer Geologen Wolfgang Leupold (1895–1986), der 1921 im Auftrag der niederländisch-indischen Kolonialregierung als Erdölprospektor nach Indonesien reiste und mit seiner Frau Erika Leupold-Bleuler und dem dort geborenen ersten Kind Urs sechs Jahre im Nordosten von Borneo verbrachte.
Neben der Objektsammlung hat die Familie Leupold dem Museum weitere Materialien zur Verfügung gestellt: über 200 Glasplattenbilder sowie handschriftlich erläuterte Fotoabzüge, die als historische Dokumente die koloniale Erfahrung unmittelbar vor Augen führen, ferner Tondokumente und schriftlich abgefasste Erinnerungen an die Jahre in Niederländisch-Indien. Seine Expeditionen führten Leupold in mehrheitlich schwer zugängliche, oft menschenleere Gegenden. Um sich im Urwald zu orientieren und die Wasserwege effizient zu nutzen, war der Schweizer Geologe auf erfahrenes ortskundiges Personal angewiesen und rekrutierte dieses unter der einheimischen Bevölkerung. Viele der Objekte in der Sammlung dürften in diesem Zusammenhang in seinen Besitz gelangt sein: Es sind dies zunächst alltägliche indigene Utensilien und Instrumente wie Körbe mit Schultertragriemen, eine Axt, Blasrohr und Speer sowie geflochtene Käppchen.
Leupold erhielt aber auch – wohl als prestigeträchtige Tauschgeschenke bei Verhandlungen – kostbare Stücke, welche die künstlerische Ausdruckskraft der Dayak-Völker eindrücklich bezeugen: bemalte Jacken aus Rindenbaststoff, expressiv verzierte Bambusköcher und Schilde sowie aus dem Schnabel des Nashornvogels geschnitzten Ohrschmuck. Während Wolfgang Leupold mit einheimischen Führern und Trägern verschiedene Regionen Kalimantans erkundete, war seine Frau mit dem kleinen Kind einem Leben fern allem bisher Gewohnten ausgesetzt. Ihren Alltag an wechselnden Wohnorten begleiteten neben den aus Europa mitgebrachten Möbeln und Heimatbildern auch vor Ort erworbene chinesische Keramiken, Gelbgussgefässe und indonesische Textilien. Diese Gegenstände haben sich ebenfalls erhalten und repräsentieren gewissermassen klassische Erinnerungsstücke europäisch-kolonialer Erfahrung.
In der Ausstellung wird die in die Obhut des Völkerkundemuseums gegebene Kollektion von Gegenständen mit den eindrücklichen Fotografien Leupolds, mit Selbstzeugnissen des Ehepaars und weiteren Dokumenten präsentiert. Es wird sinnlich erfahrbar, unter welchen Umständen der Kontakt eines weltoffenen und interessierten Schweizer Ehepaars mit einer fremden Kultur stattfand und was von dieser ein paar Jahre währenden Lebensphase zurückblieb. Aus dem Zusammenspiel von Fotografien, Gegenständen und Geschriebenem lässt sich ein Wissen aus fernen Zeiten gleichsam aufschliessen (Quelle: Pressemitteilung).
Aufschlussreiches Borneo ist eine Sonderausstellung im Völkerkundemuseum der Universität Zürich vom 25. März 2011 bis 23. Oktober 2011. Weitere Informationen zur Ausstellung unter: http://www.musethno.uzh.ch.
Isler, A; von Wyss-Giacosa, P. Aufschlussreiches Borneo: Objekte, Fotografien und Dokumente des Schweizer Geologen Wolfgang Leupold in Niederländisch-Indien 1921–1927. Mit einem einleitenden Beitrag von Wolfgang Marschall. Zürich, Völkerkundemuseum der Universität Zürich, 2011. 155 Seiten, 69 Schwarz-weiss- und 48 Farbabbildungen, 3 Karten.
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