Die Ausstellung im Ethnologischen Museum Berlin Dahlem repräsentiert die sechs wichtigsten in Nordthailand vertretenen Minderheiten. Sie basiert auf der in den 1980er Jahren ins Ethnologische Museum gelangten Mayer-Lipton Kollektion von 2000 Objekten aus dieser Region.

Die Sammlung des Ethnologischen Museums – Staatliche Museen zu Berlin ist weltweit eine der größten zu dieser Thematik. Die Objekte sind von herausragender Qualität und können wesentliche Bereiche der kulturellen Vielfalt dieser ethnischen Minderheiten umfassend dokumentieren. Zahlreiche Fotografien ergänzen die Objekte und geben ein Bild der gegenwärtigen Situation. Die Ausstellungs-Objekte weisen zeitgeschichtlich eine Besonderheit aus: Sie stammen vorwiegend aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bisher waren Teile der Sammlung nur für wenige Monate im Rahmen einer Sonderausstellung 1985 zu sehen. Nach nunmehr fast 20 Jahren, in denen keine größere Ausstellung aus dem Bereich Südostasien mehr zu sehen war, werden diese Schätze in den Museen Dahlem wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Viele Mythen ranken sich um den Begriff des Goldenen Dreickes. Er wird mit Opium, Warlords, rückständigen Minderheiten in Verbindung gebracht. Doch wie sieht die Lebenswirklichkeit der Bergbewohner aus, die mit dieser Region assoziiert werden? Die sechs in Thailand vertretenen Hauptethnien der Region sind die Karen, Lisu, Hmong, Mien, Akha und Lahu.  Da die meisten Karen und Hmong in Myanmar bzw. Laos leben, beschränkt sich die Ausstellung nicht nur auf Nordthailand – das den Schwerpunkt in der Ausstellung bildet – sondern bezieht die beiden Nachbarländer mit ein. Bei diesen Minderheiten, auch Hilltribes genannt, von denen in der Ausstellung nur ein kleiner Teil präsentiert wird, handelt es sich um annähernd 100 Millionen Menschen, die im gesamten Raum Festlandsüdostasien einschließlich Südchina und Nordostindien leben. In Myanmar sind nahezu 40% der Bevölkerung ethnische Minderheiten, in Laos gar 60%. In Thailand leben etwa eine Million Angehörige der Hilltribes. Die Bergvölker sind auch deshalb beeindruckend, weil sie es geschafft haben, zumindest einen Teil ihrer Identität zu wahren. Im Alltag sprechen sie ihre eigenständigen Sprachen und viele tragen noch immer ihren eigenen Kleidungsstil. Die Mehrheit dieser Völker lebt als Bauern, auch wenn immer mehr Menschen ihren Lebensunterhalt in der Stadt verdienen müssen. Die Minderheiten wirken exotisch inmitten der rasanten ökonomischen Entwicklung großer Teile Asiens. Aber sie geraten unter Druck, sich der Mehrheitsbevölkerung anzupassen und werden deshalb zunehmend marginalisiert. Somit sind sie ein Beispiel für die Probleme vieler anderer Minderheiten weltweit.

Besucherinnen und Besucher der Ausstellung können etwas über die kulturelle Vielfalt erfahren, aber auch über den Kampf um die kulturelle Eigenständigkeit, um die Bewahrung der eigenen Identität. Diese ist bedroht wie noch nie. Seit Jahrzehnten werden die Minderheiten immer mehr unter staatliche Kontrolle gestellt. Im Falle Burma kann man in bestimmten Grenzgebieten sogar von einem Genozid an ethnischen Minderheiten sprechen. Es gilt die Sinne zu schärfen für den Umgang mit Völkern, die andere Wege gehen. Die Ausstellung vermittelt einen anderen Blick: nicht aus der Retrospektive, sondern auf ein gegenwärtig lebendiges, aktives, wenn auch bedrohtes kulturelles System (Quelle: Pressemitteilung).

Eine Ausstellung des Ethnologischen Museums, Referat Süd/ Südostasien ab 16. Dezember 2011 bis auf weiteres in den Museen Dahlem, Ethnologisches Museum – Staatliche Museen zu Berlin, Lansstr. 8, 14195 Berlin-Dahlem.

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